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Die »AMRUMBANK« als Museumsschiff im Hafen von Emden

Wer die ostfriesische Hafenstadt Emden besucht, entdeckt im Hafen­becken Delft ein festgelegtes Leuchtfeuerschiff namens »Amrumbank« und fragt sich gleich: Wie kommt ein solches Spezial­schiff mit dem Namen einer Untiefe nordwestlich von Amrum hierher, und welche Beziehung besteht zwischen den Beiden.

Nun, die “Amrumbank” in Emden hat von 1917 bis 1939 draußen vor Amrum gelegen und dort seinen Dienst erfüllt. Und der Seezeichenhafen zwischen Steenodde und Wittdün wurde eigens für das Leuchtfeuerschiff eingerichtet, näm­lich als Liegeplatz für evtl. Reparaturen.

Das heute in Emden liegende Feuerschiff müßte eigentlich den Zusatz “Amrumbank II” erhalten. Denn das Feuerschiff auf dieser Station wur­de schon im Spätsommer 1907 ausgelegt, nachdem Jahrzehnte vorher ein ziemlicher Streit ausgebrochen war. Es ging darum, ob ein Feuerschiff ausgelegt oder ein Leuchtturm erbaut werden sollte. Im Zuge der Per­fektionierung des Seezeichenwesens nach dem Staatswechsel von Dä­nemark zu Preußen (1864) hatte die Regierung den Oberlotsen Wichers nach Amrum gesandt, um den Standort eines Leuchtturmes auszupeilen. Der “Nautische Verein” in Husum aber plädierte hartnäckig für die Stationierung eines Feuerschiffes, ca. 16-17 Seemeilen vom Lande entfernt, wobei ganz offen die Absicht verfolgt wurde, die Einfahrt über die Hever nach Husum als den von dauernden Strandungsfällen betroffenen Seebereich (in der Zeit von 1860 bis 1870 nicht weniger als 41 Strandungsfälle) zu sichern. Über Jahre, von 1867 bis 1873, versuchte der Nautische Verein Husum den Bau des Amrumer Leuchtturmes zu verhindern. Aber die Regierung ließ sich nicht be­irren, und am 1. Januar 1875 war der Leuchtturm auf „Groß-Dün“ vollendet und zeigte von diesem Tage an sein Licht.

Das Feuerschiff »Amrumbank I«

Aber im Jahre 1905 stellte sich die Frage nach einem Feuerschiff auf Amrum-Bank erneut, als sich von Hamburg nach Hörnum/Sylt während der Sommersaison ein Bäderverkehr mit großen Passagierdampfern ent­wickelt hatte und die auf die wachsende Kriegsmarine (als Antwort auf die wachsende britische Flotte) fixierte deutsche Regierung an einer Sicherung des deutschen Küstenbereiches für Flottenbewegungen interessiert war.



Kein Geringerer als der Direktor der “Nordsee-Linie”, Albert Ballin, wandte sich an den Regierungspräsidenten mit der Forderung, “… zur Sicherung des Hamburg-Hörnum-Verkehres das Vortrapp-Tief mit Bojen und Tonnen und ein Leuchtfeuerschiff zu markieren, um den Weg durch das Landtief und das Vortrapp-Tief anzuzeigen …” Angesichts eini­ger Seeunfälle in jüngster Zeit griff auch die Presse dieses Anlie­gen auf und drohte “… dass bei dem steigenden Verkehr eine Katastro­phe der großen Passagierdampfer nicht dem Kapitän, sondern den Be­hörden angelastet würde …” Mit ähnlichen Drohungen war übrigens auch der Bau des Amrumer Leuchtturmes forciert worden, und vor sol­chen öffentlichen Vorhaltungen hatten die Behörden offenbar eine Höllenangst! Gleichzeitig (1906) wurde auf Hörnum auch ein Leucht­turm errichtet – eine fast überschwengliche Perfektionierung des Seezeichenwesens – nur erklärlich durch die militärischen Hinter­gedanken eines ganz auf Militarismus ausgerichteten Staates. Das Feuerschiff “Amrumbank” war 46 Meter lang und 8 Meter breit und hatte eine Besatzung von 13 Mann. Das Schiff kostete den Staat fast 260.000 Mark, eine unerhört hohe Summe, und kostete jährlich 34.000 Mark an Unterhalt. Die Leuchtfeuerlaterne mit einem Durchmesser von 2 Metern wurde mit Glühlichtbrenner und Gas betrieben. Der wechselweise sechswöchige Dienst erforderte eine hohe Toleranz der Besat­zung in der Einsamkeit auf See.

Nur einige Male waren Amrumer an Bord. Für fast alle Ränge, insbeson­dere für die Höheren, war der “Civilversorgungsschein”, der Nachweis, dass der Betreffende beim preußischen Militär seine Dienstpflicht absolviert hatte, die Voraussetzung.

Feuerschiff »AMRUMBANK II«

Das erste Feuerschiff war von der Werft Weser AG gebaut, wurde aber schon während des 1. Weltkrieges eingezogen und als Reserveschiff des Wasserbauamtes Tönning “an die Kette gelegt”. Es ist dann 1944 in der Kieler Bucht versenkt worden und liegt seitdem auf dem Meeresgrund. Das zweite Feuerschiff “AMRUMBANK II” wurde 1915 von der Meyer-Werft in Papenburg gebaut, kostete die stolze Summe von 480.000 Reichsmark und ging erstmals 1918 auf Station vor der Eidermündung, ab 1919 dann auf seine namensgebende Station Amrum-Bank, wo es bis 1939 ver­blieb. Das Feuerschiff “AMRUMBANK II” war etwas größer (52,50 Meter lang) als das Vorgängerschiff. Die Besatzung von unverändert 13 Mann war 14 Tage an Bord und hatte dann 14 Tage Landurlaub.

1939 wurde das Feuerschiff, vermutlich infolge des 2. Weltkrieges, ein­gezogen, überstand aber unbeschadet die Kriegsjahre. Aber nach Kriegs­ende wurde die Position Amrum -Bank nicht wieder besetzt. Das Feuer­schiff lag dann auf verschiedenen Stationen und zuletzt, ab 1969, auf einer Position etwa 22 Kilometer west-südwestlich von Helgoland in der Deutschen Bucht, und bekam dann auch diese Bezeichnung. Nach insgesamt 65 Jahren im Dienst wurde die “AMRUMBANK” bzw. “DEUT­SCHE BUCHT” in den Ruhestand versetzt, hatte aber das Glück, dass sie als Fossil deutscher Ingenieurskunst nicht zum Abwracken, sondern als nautisch-technisches Denkmal nach Emden verlegt wurde, mit dem Ziel, das Schiff in betriebsbereitem Zustand zu erhalten. Diese Aufgabe erfüllt seit nunmehr über 30 Jahren der Verein “Museumsfeuerschiff Amrumbank/ Deutsche Bucht”. Als das Schiff Anfang September 2015 den 100. Geburtstag feier­te, zeigte es noch einmal seine volle Funkti­onsfähigkeit. Von zwei holländischen Schleppern aus dem Emder Delf gezogen, ging es mit eigener Kraft hinaus auf die Nordsee Kurs Borkum und wieder zurück zum Liegeplatz in Emden. Hier gilt das Leucht­feuerschiff, seit 1999 zum “Kulturdenkmal” erklärt, längst als un­verzichtbares Wahrzeichen, mit einem Heiratsraum und einem Restau­rant an Bord und einem lebhaften Besucherverkehr, unverändert betreut vom oben genannten Verein, der alljährlich um die 30.000 Euro auf­bringen muss, um das Leuchtfeuerschiff unter Farbe und in ganzer Pracht zu erhalten.

 Das Feuerschiff “AMRUMBANK” im Hafen von Emden ist aber nicht das einzige Schiff dieses Namens an der Nordseeküste. Im Seezeichenha­fen Amrum liegt ebenfalls eine “AMRUMBANK”, nämlich seit dem 17. November 2011 der neue Tonnenleger als Nachfolger der “Johann Georg Repsold”, die hier seit dem 1. Januar 1984 auf Station gelegen hatte.

 

Die neue “AMRUMBANK”

Das neue Tonnenlegerschiff wurde auf der Fassmer Erft in Berne an der Weser gebaut, hat eine Länge von 44,5 Metern und eine Besatzung von 6 Mann. Die Überführung von der Weser nach Amrum besorgte der Amrumer Kapitän Hinrich William Ricklefs und rundete damit die rund 135-jährige Tradition der Tonnenleger-Familie ab.

Die geologische Amrum-Bank ist übrigens eine fast 90 Quadratkilome­ter große Untiefe, beginnend etwa 20 km west-südwestlich von Amrum. Die Wassertiefe steigt von 8 Metern bis durchschnittlich 22 Meter an, und mancherorts prägen steile Hanglagen die Begrenzung der Amrum-Bank. Vermutlich handelt es sich um eine ursprüngliche Geestinsel, die erst im Gefolge des nacheiszeitlichen Anstieges des Meeresspiegels kurz vor oder nach Beginn der Zeitrechnung überflutet wurde.

Dem Vorsitzenden des Museumsvereines, Heinz-Günther Büß, dem Chef des Amrumer Seezeichenhafens, Wolfgang Stöck und dem “Ostfriesland Magazin” 9/2015 seien für die umfangreichen Informationen gedankt !

Georg Quedens

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